Vom Hörsaal nach Cupertino
Ein StudiumPlus-Student, eine Beobachtung am Küchentisch – und eine Einladung von Apple
Im Herzen des Apple-Universums in Cupertino, Kalifornien, wo sonst nur die Besten der Welt eingeladen werden, steht ein 22-jähriger Student aus dem hessischen Bad Vilbel – und erklärt Apple-Ingenieuren, wie ihre eigene Technologie noch besser genutzt werden kann. Anton Baranov, Student im dualen Bachelor-Studiengang Softwaretechnologie bei StudiumPlus, gehört zu den weltweit nur 50 „Distinguished Winners“ der Swift Student Challenge 2026. Eine Geschichte, die nicht in einem Informatik-Labor begann, sondern am Küchentisch.
Es war Antons Mutter, die den entscheidenden Anstoß gab. Als Dozentin an einer Hochschule beobachtete sie seit Jahren dasselbe Problem: Ihre Studierenden wissen viel – aber sobald sie vor anderen sprechen sollen, verlassen sie ihre Stärken. Anton kannte das selbst. Aus der Schule, aus dem Studium, aus all den Momenten, in denen eine gute Idee an einer schlechten Präsentation scheitert.
Er hätte sich beschweren können. Stattdessen programmierte er
Die Lösung heißt „pitch coach“: ein KI-gestützter Präsentationstrainer, der in Echtzeit analysiert, coacht und korrigiert – per iPhone und AirPods, vollständig auf dem Gerät, ohne Cloud, ohne dass persönliche Daten das Smartphone verlassen. Was die App besonders macht: Sie nutzt den Bewegungssensor, der bereits in jedem AirPod verbaut ist, für etwas völlig Neues – Echtzeit-Feedback zur Körperhaltung während einer Präsentation. Kombiniert mit Apple Intelligence, einer KI-Technologie, die erst 2025 vorgestellt wurde, gehörte Anton damit zu den ersten Entwicklern weltweit, die diese Funktion in eine echte Anwendung integrierten. Dass die App funktioniert, zeigen die Zahlen: Mehr als 65.000 Downloads hat „pitch coach“ bereits – und der Zähler läuft.
Was heute nach einem geradlinigen Erfolg klingt, beginnt 2022 in Jekaterinburg, einer Millionenstadt im Ural. Anton absolviert dort das deutsche Abitur an einer Deutschen Auslandsschule, zieht dann nach Deutschland, durchläuft das Studienkolleg – und wählt bewusst das duale Studium bei StudiumPlus. „Ich bin froh, dass ich mich für ein duales Studium mit der Kombination aus Theorie und Praxis entschieden habe“, sagt er. Programmieren ist da längst kein Hobby mehr: Mit 16 hat er seine erste App entwickelt, 2021 gewann er bereits den Samsung Cup.
Für sein Partnerunternehmen entwickelt er seither an iOS-Apps mit. „Dort wurde ich sehr familiär aufgenommen. Alle aus meinem Team sind stolz auf mich“, sagt Anton. „pitch coach“ entstand komplett in seiner Freizeit – Anton nahm sich sogar Urlaub, um konzentriert programmieren zu können.
Ruhig bleiben, wenn Tim Cook den Raum betritt
Der Apple Campus ist größer als erwartet. „Er sieht im Fernsehen viel kleiner aus“, sagt Anton. Eine Minute vor seiner Präsentation erfährt er, dass Apple-Chef Tim Cook persönlich anwesend sein wird – gemeinsam mit seinem Nachfolger John Ternus. Eine Information, die andere vielleicht aus der Bahn geworfen hätte. „Natürlich war es ein bisschen aufregend“, sagt er, „aber ich wusste ja: Ich bin von meiner App überzeugt.“ Er präsentiert. Cook ist begeistert.
Was ihn in Cupertino mindestens genauso bewegt wie die Begegnung mit der Apple-Spitze: die anderen 49 Gewinner. Entwicklerinnen und Entwickler aus Brasilien, Thailand, aus aller Welt – Menschen, die alle dieselbe Leidenschaft mitbringen. „Es war ein tolles Gefühl, so viele junge Entwickler aus der ganzen Welt kennenzulernen“, schwärmt Anton. „Wir haben uns vernetzt und unterstützen uns auch jetzt gegenseitig bei der Entwicklung unserer Apps – vielleicht entwickeln wir irgendwann gemeinsam eine App.“ Aus einem Wettbewerb ist ein Netzwerk geworden.
Was als nächstes kommt
Anton arbeitet weiter. Er holt Nutzerfeedback ein, passt die App an verschiedene Kulturen und Präsentationsstile an – denn wie man überzeugend vorträgt, ist in Japan anders als in Brasilien oder Deutschland. Als nächstes plant er Gesture Tracking: Die App soll künftig auch Handbewegungen und Gestik analysieren und so zum ganzheitlichen Präsentationscoach werden.
Den größten Umbruch sieht er aber woanders. Smart Glasses – Brillen, die Augmented Reality mit Künstlicher Intelligenz verbinden – werden nach seiner Überzeugung die Art verändern, wie Menschen lernen, präsentieren und miteinander kommunizieren. „Ich möchte weiterhin modernste Technik am Puls der Zeit einsetzen, um das Leben von Menschen zu verbessern“, erläutert Anton.
„Der Anfang von etwas Großem“
Und er will mehr als das: Mit seiner Teilnahme an der Swift Student Challenge möchte er andere Studierende ermutigen, es ihm gleichzutun. „Beteiligt euch“, lautet seine Botschaft – an alle, die eine Idee haben und noch zögern, sie in die Welt zu bringen. Von Jekaterinburg nach Cupertino in vier Jahren. „In fünf Jahren werde ich zurückschauen und denken: Das war der Anfang von etwas Großem.“