Über 300 Schüler beim „Markt der Möglichkeiten“ in Stadtallendorf
Unternehmen der Region stellen sich vor
Fragen stellen, Berufsbilder kennenlernen und ihre Fühler in über 30 Unternehmen und Institutionen ausstrecken, durften etwa 300 Schüler beim „Markt der Möglichkeiten“ in der Stadtallendorfer Stadthalle. Zwei Stunden lang konnten die Acht- und Neuntklässler der Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf und der Martin-von-Tours-Schule Neustadt von Stand zu Stand ziehen und einen Eindruck gewinnen, wie viele Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten ihnen ihre Region bietet – von Bundeswehr und Finanzamt über Seniorenresidenz und Tapetenfabrik bis zu Firmen wie Ferrero, Fritz Winter oder Hoppe.
Organisiert wurde der „Markt der Möglichkeiten“ vom Forum Kirchhain-Stadtallendorf von StudiumPlus, dem dualen Studienprogramm der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und des CompetenceCenters Duale Hochschulstudien – StudiumPlus e.V. (CCD) in Kooperation mit Schulen und Unternehmen sowie mit Unterstützung der Kommunalpolitik. Zum wiederholten Mal machten sie den Jugendlichen ein Angebot zur Berufsorientierung: Potenzielle Arbeitgeber stellten sich vor, Schüler erhielten einen Überblick über die Ausbildungsmöglichkeiten in der Region und konnten erste Kontakte knüpfen.
Appell an die Schüler: „Stellen Sie ganz viele Fragen“
„Wir danken allen Ausstellern, dass sie sich in diesen bewegten Zeiten die Zeit nehmen, hier präsent zu sein“, sagte zur Eröffnung Prof. Dr. Gerd Manthei, Geschäftsführender Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums Duals Hochschulstudium (ZDH). „Stellen Sie ganz viele Fragen“, appellierte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi, „nutzen Sie die Chance, dass Ihnen hier so viele Ansprechpartner zur Verfügung stehen.“ Manthei richtete einen besonderen Dank an Stefanie Kruppa vom StudiumPlus-Team für die Koordination der Veranstaltung.
„Diese Veranstaltung macht für die Schüler viele Unternehmen erst wirklich sichtbar“, betonte die Leiterin der Georg-Büchner-Schule, Amanda Chisnell. „Sie können erleben, wie viele berufliche Perspektiven sie direkt in ihrem Umfeld haben.“ Dass viele junge Leute die Unternehmen nicht kennen, die sie unmittelbar vor der Haustür haben, bestätigte Vanessa Naumann, Ausbilderin für Zerspanungstechnik bei DEVA. „Wir haben unseren Sitz sogar in der Schulstraße und trotzdem kennen uns die Schüler in der Regel nicht. Der Markt der Möglichkeiten bietet uns die Gelegenheit, das zu ändern.“
Überraschende Berufsbilder direkt vor der Haustür
„Die Schüler haben keine Vorstellung davon, welche Ausbildung sie bei uns machen könnten“, weiß auch Tanja Garbeje von Musik Meyer. Dass der Großhändler für Musikinstrumente nicht nur Kaufleute und Lagerfachkräfte braucht, sondern beispielsweise auch Mediengestalter, überrasche viele.
Auch das Berufsbild des Schornsteinfegers ist vielen jungen Menschen eher fremd. Julian Scherer und Sven Ehlich präsentierten das traditionelle Handwerk für die Kreisgruppe Schornsteinfeger Marburg-Biedenkopf und machten deutlich, dass es heutzutage nicht mehr nur darum geht, auf Dächern herumzuklettern, sondern dass beispielsweise Energieberatung eine große Rolle spielt.
Azubis berichten auf Augenhöhe
An vielen der Unternehmensstände standen junge Menschen, die selbst noch in der Ausbildung sind. Sie konnten besonders unmittelbar und auf Augenhöhe von ihren Erfahrungen berichten, dies senkt die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme für die Schüler. „Ich selbst habe über ein Praktikum meinen Berufsweg gefunden“, erzählte Ronja Kaminski, die bei der VR-Bank eine Ausbildung zur Kauffrau für Bankgeschäfte macht. Mit ihrer herzlichen Art machte sie es den Schülern leicht, sie auszufragen: Was sind eigentlich die Ausbildungsinhalte, wie ist die Ausbildung aufgebaut – und ja, natürlich wird auch die Frage nach der Vergütung häufig gestellt. Tiziana Lonetti und Colin Welk lernen aktuell bei Fritz Winter Industriekauffrau und Gießereimechaniker. „Wir standen vor zwei Jahren noch auf der anderen Seite und können uns gut in die Schüler hineinversetzen“, sagten sie.
Die Bandbreite der Unternehmen auf der Berufsorientierungsmesse war groß. Von Handwerksbetrieben und Bauunternehmen über Krankenhäuser und Pflegedienste bis zu großen Firmen und Weltmarktführern. Und auch die Interessenlage der Schüler war unterschiedlich. Manche wollten sich nur einen Überblick verschaffen, andere suchten gezielt nach einem Praktikum und wussten schon recht genau, welchen Weg sie gehen wollen.
Von der Orientierung bis zum klaren Berufsziel
„Ich habe noch kein festes Ziel“, sagte die 15-jährige Melek. „Deshalb finde ich es gut, dass ich hier erfahren kann, wie der Weg in die Berufe ist, was gefordert wird und was überhaupt der Inhalt der Ausbildungen ist.“ „Wir wollen auf jeden Fall zur Bundespolizei“, waren hingegen drei junge Männer von der Georg-Büchner-Schule überzeugt. Wie ihr Weg zu diesem Ziel aussehen könnte, darüber haben sie sich bei Einstellungsberater Jürgen Biel am stets umlagerten Stand der Bundespolizei informiert. Die meisten Schüler hatten ein Formular dabei, das sie aus der Schule mitgebracht hatten, und trugen dort Informationen zu besonders interessanten Unternehmen ein.
Das Thema Studium war für die meisten der jungen Leute noch sehr weit entfernt. Dass man mit StudiumPlus aber die Möglichkeit hat, nach der Ausbildung im Unternehmen zu bleiben und zugleich ein duales Studium zu absolvieren, stieß auf großes Interesse. „Auch, dass man für das duale Studium nicht zwingend das Abitur braucht, überraschte viele“, berichtete Schulbotschafterin Liska Steinruck, die die dualen Studienangebote von StudiumPlus vorstellte. „Und dass man so schon während des Studiums Geld verdient, finden viele Schüler natürlich auch interessant.“
Breites Netzwerk hinter dem Forum Kirchhain-Stadtallendorf
Das Forum Kirchhain-Stadtallendorf kooperiert mit sechs Kommunen im Osten des Landkreises Marburg-Biedenkopf: Kirchhain, Stadtallendorf, Neustadt, Rauschenberg, Amöneburg und Wohratal. Hinter dem Forum stehen außerdem der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die IHK Kassel-Marburg. Im Beirat des Forums sitzen unter anderem Vertreter von Unternehmen, Schulen, Kommunen, IHK, Agentur für Arbeit, Kreishandwerkerschaft, Staatlichem Schulamt, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Marburg-Biedenkopf und Arbeitgeberverband Nordhessen. Verantwortlich für das Forum sind seitens der Hochschule Prof. Dr. Gerd Manthei und seitens der Partnerunternehmen Michael Parsch, Vorstandsmitglied des CompetenceCenters Duale Hochschulstudien – StudiumPlus e.V. (CCD).