StudiumPlus veranstaltet TecDay zum Thema „AI versus Mensch“

Der diesjährige TecDay von StudiumPlus stand unter dem Motto: „AI versus Mensch – wer gestaltet unsere Zukunft?“ Beim Onboarding-Talk begrüßten der CCD-Hauptgeschäftsführer Christian Schreier (2. v. l.), der CCD-Vorstandsvorsitzende Uwe Hainbach (m.), ZDH-Direktor Prof. Dr. Michael Guckert (2. v. r.) und der Leitende ZDH-Direktor Prof. Dr. Jens Minnert 430 Studierende des sechsten Semesters und über 100 Vertreter der über 1.000 Partnerunternehmen. Moderiert wurde der TecDay von Steffen Gross (l.).

KI verändert alles – doch der Mensch bleibt entscheidend

„AI versus Mensch – wer gestaltet unsere Zukunft?“ – dieser Frage gingen 21 Akteure mit Vorträgen, Gesprächen und Präsentationen beim TecDay von StudiumPlus in der Wetzlarer Stadthalle nach. 430 Studierende des sechsten Semesters und über 100 Vertreter der über 1.000 Partnerunternehmen waren gekommen und konnten einen ganzen Tag lang vielfältige Aspekte des Themas kennenlernen.

„Seit fast zehn Jahren gestaltet StudiumPlus einmal jährlich einen solchen Tag, bei dem Zukunftsthemen im Fokus stehen, die für Unternehmen von Bedeutung sind“, erläuterte eingangs der Hauptgeschäftsführer des CompetenceCenters Duale Hochschulstudien – StudiumPlus e.V. (CCD), Christian Schreier. Angesichts der rasanten Geschwindigkeit in der Entwicklung von KI ist der Aufklärungsbedarf hoch. Und bei aller Begeisterung für die Perspektiven, die KI bietet, müsse man diese auch kritisch hinterfragen, so Jens Minnert, Leitender Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums für Duale Hochschulstudien (ZDH).

Eines wurde bei der Veranstaltung deutlich: Künstliche Intelligenz (KI) wird die Arbeitswelt enorm verändern, sie tut es bereits. Der Mensch wird dadurch nicht überflüssig, aber seine Rolle ändert sich. „Kompetenzen sind der Schlüssel“, sagte die Hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus in ihrem Grußwort. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Unternehmen, wie er bei dieser Veranstaltung stattfand, sei ebenso wichtig wie die werteorientierte Ausrichtung im Umgang mit KI.

KI werde bleiben, ob es uns gefällt oder nicht. Daher müsse sich auch die Hochschule mit den Chancen und Herausforderungen auseinandersetzen, berichtete die Vizepräsidentin der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), Prof. Dr. Stephanie Hanrath. Neben Möglichkeiten zur Unterstützung von Lernenden und Lehrenden müsse man auch mit der Gefahr von Täuschungsversuchen und Plagiaten umgehen. Daher habe die THM eine klare Richtlinie zur Nutzung von KI-Tools entwickelt.

Aber bleiben wir auch schlauer als die Roboter? Der Gedächtnis-Weltmeister, renommierte Hirnforscher und Informatiker Dr. Boris Konrad ging dieser Frage auf unterhaltsame Weise nach. Er beeindruckte sein Publikum durch seine enorme Gedächtnisleistung und erläuterte, wie das Erinnern im menschlichen Gehirn funktioniert. Konrad machte deutlich, dass KI dem Menschen zwar zunächst in vielen Bereichen überlegen sei, dieser aber aufgrund seiner Fähigkeiten von der KI lernen und so weiterdenken könne. „KI hat keine Meinung und keinen Willen“ betonte er. Sein Appell an das Publikum: „Ihr habt alle ein Superhirn, nutzt es!“

Wie tief KI das Programmieren bereits verändert, machte der Vortrag von ZDH-Direktor Prof. Dr. Carsten Lucke deutlich. Unter der Frage „Wer programmiert hier eigentlich?“ zeigte er anhand eigener Anwendungen, was mit KI-Coding-Agents – autonom arbeitenden Programmen, die Aufgaben planen, Code schreiben und überprüfen – heute innerhalb kurzer Zeit entsteht. Lucke hat nach eigener Schätzung „nicht einmal fünf Prozent“ des Codes selbst geschrieben. Wer einen Agenten sinnvoll einsetzen wolle, müsse jedoch zuerst genau wissen, was er möchte, und dann delegieren – und er müsse den fertigen Code verstehen, auch wenn er ihn nicht geschrieben habe. Die Rolle des Software-Ingenieurs verschiebe sich vom Programmierer zum Architekten und Reviewer.

Einen ganzen Tag voll mit Expertentalks zum Themenkomplex „AI versus Mensch – wer gestaltet unsere Zukunft?“ bot der TecDay von StudiumPlus. Unter den Rednern waren THM-Vizepräsidentin Prof. Dr. Stephanie Hanrath (2. v. l.), ZDH-Direktor Prof. Dr. Carsten Lucke (4. v. l.), Hendrik Adam, CEO, DIA Digital Consulting GmbH (m.), Dr. Boris Konrad, Gedächtnisweltmeister und Forscher (4. v. r.), ZDH-Direktor Prof. Dr. Michael Guckert (3. v. r.). Das Bild zeigt außerdem: den CCD-Vorstandsvorsitzenden Uwe Hainbach (l.), den Leitenden ZDH-Direktor Prof. Dr. Jens Minnert (3. v. l.), Moderator Steffen Gross (2. v. r.) und den CCD-Hauptgeschäftsführer Christian Scheier (r.).

Wie produktiv KI-Agenten für Unternehmen sein können, erläuterte Hendrik Adam, CEO der DIA Digital Consulting. „KI verändert die Entscheidungsarchitektur im Unternehmen“, sagte er. Es gehe nicht nur darum, Mitarbeitern Werkzeuge wie ChatGPT an die Hand zu geben, Agentic Enterprise stehe für ein agentenbasiertes Unternehmen, in dem Mitarbeiter und intelligente KI-Agenten zusammenarbeiten. Dennoch bleibe der Mensch verantwortlich für die Ergebnisse. „Das bedeutet einen fundamentalen Wechsel in der Art, wie Unternehmen geführt werden, Mitarbeiter werden zu Führungskräften der digitalen Agenten.“

Fundamental waren die Erlebnisse einer Delegation, die mit der IHK Lahn-Dill das Silicon Valley besuchte. „Das Mindset dort ist ein völlig anderes“, so Dietmar Persch, IHK-Hauptgeschäftsführer und stv. CCD-Vorstandsvorsitzender. Es gebe weniger Angst vor Fehlern, der Nutzer stehe extrem im Fokus, die Risikobereitschaft sei hoch und das Prinzip „Learn-Share-Do“ werde umgesetzt, erläuterte Christian Schreier, der als IHK-Vizepräsident an der Reise teilgenommen hat. „Wir müssen schneller werden“, benannte Sebastian Loh, Inhaber der Joachim Loh Unternehmensgruppe, sein Fazit der Reise. „In Deutschland sind wir gut in Planung und Entwicklung, aber die rasante Entwicklung der Technologie ist zu schnell für lange Planungsprozesse.“ Alle drei waren sich einig, dass der Grundsatz „Who needs, who makes und who pays“ bei neuen Entwicklungen essenziell ist.

Dass KI nicht nur die Wirtschaft verändert, sondern auch eine große Rolle für die Gesellschaft und das Recht spielt, machten Rechtsanwalt Andreas Hartmann sowie Rechtsexperte und Autor für Handelsblatt und WirtschaftsWoche Dr. jur. Thomas Schwenke deutlich. So lauern vom Projektstart bis zum laufenden Betrieb eines möglichen KI-Projekts viele Fallstricke, die es zu beachten gilt, etwa beim Datenschutz. Auch ethische Fragestellungen müssten berücksichtigt werden. Das könne man nicht umgehen, es drohten hohe Bußgelder und Schadenersatzforderungen, so Schwenke. Ein Hemmnis müsse dies nicht sein: „Man muss die Leitplanken kennen, dann kann man auch schnell vorankommen.“

StudiumPlus hilft seinen Partnerunternehmen durch das juristische Dickicht. Mit einem kostenlosen Schulungsangebot für KI unterstützt StudiumPlus in Zusammenarbeit mit certready.eu die Unternehmen, die neue Schulungspflicht des EU AI Acts zu erfüllen (https://studiumplus.de/ki-schulungen/). Denn Firmen, deren Mitarbeitende KI-Systeme im betrieblichen Umfeld nutzen, müssen sicherstellen, dass ihre Beschäftigten über ausreichende Kompetenzen für einen verantwortungsvollen, sicheren und rechtskonformen Umgang mit KI verfügen.

Auch praktische Beispiele für den KI-Einsatz gab es. Prof. Dr. Michael Guckert und Prof. Dr. Gerd Manthei stellten ein Projekt vor, bei dem mithilfe von KI ein Wartungsinstrument für Bahnschwellen entwickelt werden könnte. Prof. Dr. Chris Volkmar, Professor für elektrische Raumfahrtantriebe, stellte Einsatzmöglichkeiten von KI im Weltraum bei der Erdbeobachtung und der wissenschaftlichen Datenanalyse vor.

„Inspiration und Impulse“ haben Dennis Tiegs, Geschäftsführer von A+W Software und sein Entwicklungschef Jens Schmidt von der Veranstaltung mitgenommen. „Wer KI nur als Tool sieht, hat schon verloren. Sie ist unser Multiplikator – und verlangt einen radikalen Shift“, so Dennis Jähnert, Senior Manager Application Software bei Leica Microsystems und Mitglied im StudiumPlus-Fachkuratorium Softwaretechnologie. Letztlich hat der TecDay Studierenden wie Unternehmensvertretern deutlich gemacht, was der CCD-Vorstandsvorsitzende Uwe Hainbach herausstrich: „Wir dürfen nicht zu reinen Bedienern von KI werden, sondern müssen stets die eigene Kreativität einsetzen.“