Smart Teaching Workshop für Studierende und Unternehmen

Die 400 Zuschauer schauen auf die Bühne.
Etwa 400 Studierende und mehr als 50 Vertreter der StudiumPlus-Partnerunternehmen hörten beim Smart Teaching Workshop spannende Vortrage zum Thema Nachhaltigkeit.

Zum vierten Mal hat StudiumPlus in der Wetzlarer Stadthalle den Smart Teaching Workshop angeboten. In diesem Format stellt das duale Studienprogramm der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und des CompetenceCenters Duale Hochschulstudien – StudiumPlus e.V. (CCD) Zukunftsthemen in den Fokus – nach Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) gab es diesmal Vorträge und Diskussionsrunden, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Thema Nachhaltigkeit betrachteten. Etwa 400 Studierende und über 50 Vertreter der im CCD organisierten Partnerunternehmen nahmen die Gelegenheit wahr, sich über die vielen Facetten des komplexen Themas zu informieren und auszutauschen.

„Nachhaltigkeit – ökonomisch, ökologisch, sozial“ lautete der Titel des Smart Teaching Workshops, und diese drei Säulen, die das Oberthema Nachhaltigkeit tragen, wurden in ihrem Zusammenspiel ausführlich beleuchtet. „Das Thema Nachhaltigkeit treibt die Unternehmen um und damit auch uns“, sagte eingangs der Leitende Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums Duales Hochschulstudium (ZDH), Prof. Dr. Jens Minnert. Der CCD-Vorstandsvorsitzende Uwe Hainbach betonte, dass Nachhaltigkeit und die Vermeidung der Verschwendung von Ressourcen für die Unternehmen keine neuen Themen seien – Ökonomie und Ökologie müssten aber zusammenpassen, „den Unternehmen muss es gut gehen, damit sie sich Nachhaltigkeit auch leisten können.“ Christian Schreier, Hauptgeschäftsführer des CCD, hob hervor, dass das Thema Nachhaltigkeit in alle Studiengänge von StudiumPlus einfließe – etwa bei den Schwerpunktthemen Digitalisierung und KI.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit verbinden

Die Welt stehe vor riesigen Herausforderungen, betonte Minnert. StudiumPlus wolle seine Studierenden so qualifizieren, dass sie dazu beitragen können, diese zu lösen. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit verknüpften beispielsweise faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen mit effizientem Ressourcenmanagement und Investitionen in erneuerbare Energien.

Dass auch die THM selbst sich dieser Herausforderung stellt, berichtete deren Vizepräsident Prof. Dirk Metzger. „Wir müssen uns mit den großen Themen der Zeit beschäftigen“, sagte er – und auf der anderen Seite sei die THM als Betreiber vieler großer Gebäude auch selbst vom Thema betroffen. Metzger ist unter anderem zuständig für strategische Bauplanung und Nachhaltigkeit. Er präsentierte die Nachhaltigkeitsstrategie der THM, mit der diese den eigenen CO2-Fußabdruck verringert und den Ressourcenverbrauch senkt. Metzger strich heraus, dass das Thema auch viele Chancen für die Wirtschaft biete – das Ziel müsse sein, in den entsprechenden Technologien vorne mitzuspielen.

Genau hob auch der Zukunftsforscher Jan Berger heraus, der über die Klimakrise als Wachstumsmotor sprach. In seinem packenden Vortrag stellte er dar, dass mit Verboten und Regulierungen das Problem nicht zu lösen sei. Notwendig seien neue Technologien und der Mut, Neues auszuprobieren. So stellte der Zukunftsforscher beispielsweise Technologien vor, bei denen aus CO2 neuartige Materialen wie Textilien oder Dämmstoffe hergestellt werden, mit Solarkraft betriebene Unkrautzupfer, die die Verwendung von Unkrautvernichter überflüssig machen, oder Bakterien, die Mikroplastik zersetzen können. Statt einem Emissionshandel, der enorme Kosten für die Reparatur der Umweltschäden nach sich ziehe, wünschte er sich eine Politik, die innovative Zukunftstechnologie belohne. „Die Unternehmen müssen sich entscheiden: meckern oder klotzen“, sagte Berger: Es gebe unendlich viele Aufgaben für Engineering, das die Probleme der Zeit löse und mit denen sich Geld verdienen lasse. An dieser Stelle kämen auch die Studierenden ins Spiel, die als Nachwuchskräfte in die Unternehmen kommen: „Denkt groß“, appellierte Berger an sie.

Zukunftsforscher Jan Berger begeisterte Studierende und Unternehmensvertreter mit seinem Vortrag.

Klimaneutralität

Dass es in den Unternehmen längst ein Bewusstsein für das Thema gibt, belegte der Vortrag von Michael Koch, Geschäftsführer der HH Verwaltung GmbH & Co KG in Solms und Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Mittelhessen. „Nachhaltige Unternehmensführung – eine Chance für den Mittelstand“ lautete sein Thema. Sein Unternehmen, das sich unter anderem mit dem Abbau von Basalt, Kompostierung und erneuerbaren Energien befasst, lebe das Prinzip „Lokal gewinnen, regional verwerten“. Ein Beispiel sei die Direktanbindung eines Steinbruchs an einen Windpark. Als Vorteile einer nachhaltigen Unternehmensführung nannte er unter anderem eine positive öffentliche Wahrnehmung und eine große Mitarbeiterzufriedenheit.

Auch die Politik kam zu Wort: Jörg Kratkey, Stadtrat der Stadt Wetzlar, beleuchtete die Themenfelder, in denen Wetzlar aktiv ist, wie Klimaschutz-Aktionsplan, Klimaanalyse, Renaturierung von Gewässern oder Bodenschutzkonzept. Er machte aber auch deutlich, dass nicht alle Maßnahmen immer populär seien: „Es ist wichtig, alle gesellschaftlichen Gruppen bei Veränderungen abzuholen.“

Wie man möglichst viele Gruppen möglichst früh mit ins Boot holt, das machte Tim Oberlies deutlich. Der Geschäftsführer des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg berichtete, wie sich in diesem Landkreis ein breites Bündnis zusammengeschlossen hat, um gemeinsam auf „Mission zero“ zu gehen: ein klimaneutraler Landkreis bis 2035. Unternehmen, Vereine, Institutionen, Verwaltungen, Verbände, Landwirtschaft und Energieversorger vernetzen sich, tauschen sich aus und teilen ihr Wissen. Leuchtturmprojekte werden umgesetzt und als Vorlage genutzt. Die 140 Mitglieder des Vereins haben bereits 14.000 Tonnen CO2 eingespart, „und das ist nur der Anfang“, ist sich Oberlies sicher.

Informative Impuslvorträge

In kürzeren „Sessions“ gab es noch eine ganze Reihe weiterer Impulse rund um das große Thema Nachhaltigkeit. So stellte Prof. Dr. Michael Guckert dar, wie Künstliche Intelligenz „grüner“ werden kann. Energiesparende Modelle seien nicht nur nachhaltiger, sondern eröffneten auch neue Chancen. Der Nachhaltigkeitsbeauftrage der THM, Prof. Holger Rohn, stellte noch einmal klar heraus, wie notwendig es ist, die Übernutzung der Ökosysteme zu stoppen. Die Transformation zur Nachhaltigkeit könne aber nur gelingen, wenn Unternehmen nachhaltige Produkte entwickeln, die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft und die Verbraucher ihren Lebensstil danach ausrichten.

Prof. Dr André Presse, Professor für Digital Business und Sustainable Entrepreneurship, sprach über „Digitale Prozesse und Sustainability Management, Thomas Hammer von „The ReThinkers“ über „Environmental Social Governance im Kontext einer nachhaltigen Personalstrategie“, Ulrich Neurath von Environmental Ressources Management (ERM) über „Nachhaltigkeit in Unternehmensprozessen“ und Fabian Schück von der Volksbank Mittelhessen über Nachhaltigkeit im Firmenkundengeschäft.

Zum Abschluss ging es dann in einer Talkrunde noch einmal darum, wie Nachhaltigkeit ökonomisch, ökologisch und sozial zusammenwirken kann. Dass auch soziale Nachhaltigkeit eine absolute Stärke sein kann, berichtete Andreas Joneck, Geschäftsführer des RSV Lahn-Dill. Die große Bedeutung des Themas für die Hochschule hob der THM-Nachhaltigkeitsbeauftrage Prof. Holger Rohn hervor. Wirtschaftlichkeit und umweltbewusstes Handeln müsse nicht im Widerspruch stehen, betonte Marion Gottschalk, stellvertretende CCD-Vorstandsvorsitzende und geschäftsführende Gesellschafterin der Ille Papier-Service GmbH. Übertriebene Regelungs- und Dokumentationsvorschriften sorgten aber bei vielen Unternehmen für Frust. Dietmar Persch, stellvertretender CCD-Vorstandsvorsitzender und Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill, machte abschließend deutlich, worauf sich alle Teilnehmer einigen konnten: „Man muss die drei Säulen stets gemeinsam denken“ – ohne die ökonomische Säule könne nichts gelingen.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion sitzen auf der Bühne.
THM-Vizepräsident Prof. Dirk Metzger (2. v. l.), der Leitende ZDH-Direktor Jens Minnert (3. v. l.), der CCD-Vorstandsvorsitzende Uwe Hainbach (4. v. l.), ZDH-Direktor Prof. Dr. Michael Guckert (5. v. l.) und CCD-Hauptgeschäftsführer Christian Schreier (r.) diskutierten in einer von Steffen Gross (l.) moderierten Talkrunde zum Thema „Nachhaltigkeit – ökonomisch, ökologisch, sozial“.