Prof. Dr. Jan Wörner begeistert bei der Weihnachtsvorlesung

Der ehemalige Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA Prof. Dr. Jan Wörner begeisterte bei der Weihnachtsvorlesung von StudiumPlus mit einer abwechslungsreichen Reise durch die Geschichte der Raumfahrt

Eine facettenreiche Reise durch die Geschichte und Zukunft der Raumfahrt – und zugleich ein Plädoyer für internationale Zusammenarbeit: Mit seiner lebendigen und pointierten Weihnachtsvorlesung hat Prof. Dr. Johann-Dietrich „Jan“ Wörner rund 180 Gäste in der Stadthalle Wetzlar in seinen Bann gezogen. Der ehemalige Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA und heutige Direktor des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) sowie Raumfahrt-Koordinator des Landes Hessen sprach über Chancen, Grenzen und die faszinierende Kraft der Raumfahrt. Bauingenieur Wörner ist der ehemalige Professor des heutigen Leitenden Direktors des Wissenschaftlichen Zentrums Duales Hochschulstudium Prof. Dr. Jens Minnert, der die Anmoderation übernahm. In seinem Promotionsstudium an der TU Darmstadt hörte Minnert seinerzeit die Vorlesung Massivbau bei Wörner.

Fantasie der Menschen beflügelt

Dass einen auch das Bauingenieurwesen mit dem Weltall in Berührung bringen kann, zeigte Wörner eindrucksvoll. Er spannte einen weiten Bogen: von den ersten Sternen über schwarze Löcher bis hin zu aktuellen Missionen der ESA. „Über das Weltall haben wir im Prinzip noch nichts verstanden“, sagte er – und verknüpfte wissenschaftliche Erkenntnisse mit kulturellen Bezügen wie Star Trek, Raumpatrouille Orion oder Der kleine Prinz. Das Weltall habe stets die Fantasie der Menschen beflügelt, lange bevor Technologien ihre Umsetzung ermöglichten.

Der Professor zeigte auf, wie viele Innovationen aus der Raumfahrt ins tägliche Leben fließen – etwa der Akkuschrauber, der ursprünglich für Bohrungen im Apollo-Programm entwickelt wurde, oder das Kamerasystem OSIRIS aus der Rosetta-Mission, das heute zur Früherkennung von Waldbränden durch die Analyse von Rauch- und Graustufenmustern beiträgt. Raumfahrt sei kein Selbstzweck, sondern helfe, globale Herausforderungen zu meistern: von Klima- und Umweltbeobachtung über Weltraumsicherheit bis zur internationalen Zusammenarbeit bei Missionen wie DART und Hera. Innovation als dauerhafte Aufgabe verbindet dabei Raumfahrt und Wirtschaft – auch für die im CompetenceCenter Duale Hochschulstudien – StudiumPlus e.V. unter Vorstand Uwe Hainbach organisierten Unternehmensvertreter.

Zahlreiche Beispiele belebten den Vortrag

„Faszination brauchen wir in dieser Gesellschaft“

Besonders eindrücklich schilderte Wörner den verbindenden Charakter der Weltraumforschung. Die ESA mit ihren 23 Mitgliedstaaten halte den europäischen Gedanken hoch – selbst in geopolitisch schwierigen Zeiten. „Unsere Astronauten sind alle europäische Astronauten mit unterschiedlichen Führerscheinen. Aus dem Weltall sieht man keine Grenzen“, betonte er. Die gemeinsame Mission von Sojus und Apollo 1975 oder die internationale Raumstation ISS zeigten, dass Kooperation im All möglich und notwendig sei.

Gleichzeitig warnte Wörner vor politischen Spannungen, die zunehmend auch die Raumfahrt erreichen. Die für 2022 geplante Marsmission sei infolge des Ukrainekriegs gescheitert. In der abschließenden Fragerunde sprach er sich deutlich gegen jede Militarisierung des Alls aus: „Es wäre dramatisch schlimm, wenn jetzt Waffen in den Weltraum gebracht würden. Manchmal müssen die Guten einfach beweisen, dass sie gut bleiben.“

Zum Abschluss erinnerte Wörner daran, warum Raumfahrt Menschen seit Jahrzehnten fasziniert – und warum diese Faszination wichtig bleibt: Sie motiviere, öffne neue Horizonte und stifte Gemeinschaft. „Faszination brauchen wir in dieser Gesellschaft, denn daraus kann Motivation resultieren, die uns alle voranbringt.“

Etwa 180 Gäste waren in die Wetzlarer Stadthalle gekommen.Etwa 180 Gäste waren in die Wetzlarer Stadthalle gekommen.