Brisbane / Australien (2022)

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Ich am Surfen in Byron Bay
Ich am Surfen in Byron Bay

Vorstellung/Hintergrund

Ich bin Jannes, 24 Jahre alt und habe ein Auslandssemester in Brisbane, Australien durchgeführt. Meine Gasthochschule war die Queensland University of Technologie, an der ich das dritte Semester meines Masters studierte. Im Anschluss stellte ich meine Masterthesis fertig, bevor ich ca. zwei Wochen durch Australien reiste.

Im Frühjahr 2022 entschied ich mich ein Auslandssemester in meinen Studiengang “Systems Engineering-Maschinenbau“ zu integrieren. Dieses fand im dritten Semester des Dualen Masterstudiengangs der THM statt. Das Duale Studium setzt sich aus der Berufstätigkeit in einer Firma und die Vorlesungen an der THM in Wetzlar zusammen. Dabei finden diese jedes zweite Wochenende von Donnerstag bis Samstag statt. Klausuren und ein Praxisphasenbericht müssen ebenfalls angefertigt werden.

Den Wunsch ein Auslandssemester durchzuführen besitze ich schon lange, leider hat sich im Bachelor (den ich ebenfalls Dual durchgeführt habe) nie die Möglichkeit ergeben. Umso mehr freue mich nun, zum Ende meines Auslandssemesters, euch meine Erfahrungen und Eindrücke mitteilen zu können.

Vorbereitungen vor Antritt des Auslandsaufenthalts

Begonnen habe ich die Vorbereitung des Auslandssemesters mit der Bewerbung auf verschiedene Stipendien sowie Austauschprogrammen. Durch das Austauschprogramm Hessen-Queensland wurde mir die Möglichkeit aufgezeigt, dieses in Australien (Queensland) durchzuführen. Auch wenn aus dem Austauschprogramm nichts geworden ist, blieb der Wunsch bestehen, ein Semester in Australien zu verbringen. Neben dem Austauschprogramm hatte ich mich bereits auf das Stipendium HAW- International beworben, zu welchem ich Mitte 2022 die Zusage erhielt. Nach der Planung und Abstimmung von bereits mehreren Monaten, wurde mir durch dieses Stipendium gezeigt, dass die ganze Arbeit sich gelohnt hat. Da jedoch das Stipendium nicht als Austauschprogramm aufgebaut ist, musste ich selbst die Organisation des Semesters planen. Durch die Hochschule bin ich auf GOstralia aufmerksam geworden, die nach kurzer Kontaktaufnahme meine Bewerbung an der Queensland University of Technologie (QUT) durchgeführt haben. Ebenfalls habe ich viele hilfreiche Tipps für den Visumsantrag, die Kommunikation zur Universität und dem Auslandssemester allgemein erhalten, wofür ich sehr dankbar bin. Die gut organisierte Unterstützung zeigt, dass GOstralia schon vielen Studierenden geholfen hat. Abläufe wirken standardisiert und geordnet, sodass die Angst etwas zu vergessen, schnell in den Hintergrund rückt. Neben der Finanzierung und Planung war nun noch die Abstimmung mit meinem Partnerunternehmen Günther Heisskanaltechik GmbH sowie die Abstimmung seitens THM durchzuführen. So zeigte sich Günther sehr kooperativ was eine Stundenreduktion anging. Außerdem bin ich meiner Firma sehr dankbar, mir diese Möglichkeit geschenkt zu haben, ein Auslandssemester durchzuführen. Dies ist im Dualem Studium nicht selbst verständlich und ich weiß dieses Entgegenkommen sehr zu schätzen! Seitens der THM konnte ich problemlos vorab alle Kurse abstimmen und so sicherstellen, dass diese im späteren Master anerkannt werden. Eine Unterkunft habe ich in der Planung immer weiter aufgeschoben. Das Wohnen im Studentenwohnheim wollte ich meiden, um mehr mit den Einwohnern Brisbanes in Kontakt zu kommen. So konnte ich erst zwei Wochen vor Abflug eine Unterkunft über die Internetseite “Flatmates“ finden, diese vermitteln Wohngemeinschaften im Australischen Raum. Mein zukünftiger Mitbewohner war ebenfalls bereit mich am Flughafen abzuholen, sodass ich mit diesem letzten Schritt meine Planungen abschließen konnte.

Das Semester

An der QUT entschied ich mich für die drei folgenden Vorlesungen: Finite Element Analysis, Data Visualization and Information Design, Design and Practice. Dabei benötigte ich Design and Practice für die Anerkennung der THM. Die beiden weiteren Vorlesungen konnte ich mir frei aussuchen, da mein drittes Semester zwei Wahlmodule besitzt. Zum Beginn des Studiums wurden wir mit einer Willkommensvorlesung und der “Ordination-Week“ begrüßt. In dieser Woche stellen sich alle Clubs und Organisationen der Universität vor und werben für neuen Mitglieder und Aktionen. So gibt es nahezu zu jedem Hobby und Interessensfeld ein Zusammenschluss von Studenten, der zwischen einzelnen bis hin zu hundert Mitgliedern reicht. So kann bereits in dieser Woche gut Kontakt zu anderen Studierenden und einer Gemeinschaft geknüpft werden.

Eine Woche später begannen die ersten Vorlesungen, für mich hieß das: Dienstag: Design and Practice Vorlesung mit anschließendem Praktikum; Mittwoch: Finite Elemente Vorlesungen; Freitag: Data Visualization Praktikum anschließend Finite Elemente Praktikum. Wobei uns die Vorlesung zum Thema Data Visualization online zur Verfügung stand.

Die Vorlesung Design and Practice beschäftigt sich mit der Ausarbeitung eines Lösungsansatzes für ein vorher definiertes Problem. So sucht man zu Beginn der Vorlesungen Problemstellungen, auf die man durch ein physisches Produkt die Lösung erarbeitet. Die Note setzt sich aus kleineren Hausarbeiten zusammen, die nahezu jeden Freitag abgeben werden mussten. Außerdem wurden größere Abgaben wie “Project Pitchest“, Prototypenvorstellungen und Dokumentationen zum Thema bewertet. Diese Aufgaben wurde durch Dreiergruppen bewältigt, sodass ich in dieser Vorlesung mit zwei Australier unsere Lösungsansätze erarbeitete. Unser entwickelter Lösungsansatz sah dabei das automatische Verschließen von Türen vor, sobald der Hausbesitzer mit seinem Smartphone die Wohnung verlässt. Durch die bestellten Elektrokomponenten und den 3D-Druck der Bauteile waren wir in der Lage,
einen funktionstüchtigen Prototypen innerhalb von 13 Wochen anzufertigen.

Die Finite Elemente Methode beschreibt die computerunterstützte Berechnung von Bauteilen auf Belastungen. Die verschiedenen Berechnungsvarianten sowie verschiedene Lösungsansätze und Problemstellungen wurden zunächst theoretisch in der Vorlesung besprochen und anschließend im Computerpraktikum erarbeitet. Die Note setzt sich hier aus drei größeren Hausarbeiten und einem

Examen zusammen. Durch diese Vorlesung konnte ich eine gute Freundesgruppe finden, in der wir zusammen die Hausarbeiten erarbeiteten und anschließend auch für das Examen lernten. Ich bin froh, so Menschen kennen gelernt zu haben, die ebenfalls neben dem Studium arbeiten und meine Situation nachvollziehen konnten. Es war schön, gleiche Herausforderungen und Erfolge, in Menschen zu finden, die nahezu 15.000 km entfernt wohnen.

Um die visuell ansprechende und möglichst anschauliche Gestaltung von Daten ging es in der Vorlesung Data Visualization and Information Design. In den Vorlesungen sprachen wir verschiedene Konzepte und Ansätze der Datengestaltung durch, in den Praktika wendeten wir diese dann für unsere Hausarbeiten an. So erarbeiteten wir über das Semester zwei Projekte, die jeweils zu 50% in der Gesamtnote zählten. Für mich, einen Maschinenbauer, war das Fach eine ungewohnt schöne Abwechslung, da sich allem um das Design und die Wirkung anstatt die Funktionsweise drehte. Ich konnte viele neue Einblicke in die Welt des Designs gewinnen und habe durch die Projektarbeiten eine neue Leidenschaft für mich entdeckt.

In der Mitte des Semesters gibt es den Mid-Semester-Break, eine Woche in der keine Vorlesungen stattfinden und der Studierende etwas Zeit zum Durchatmen bekommen soll (So zumindest das Konzept…). Ich hatte jedoch bis zum Ende der Mid-Semester-Break zwei große Hausarbeiten abzugeben, sodass ich diese durchgehend gearbeitet habe. Diese Phase sollte sich nochmal im Mai wiederholen, da zum Beginn der Klausurenphase ebenfalls zwei große Hausarbeiten abgegeben werden mussten. Die Klausurenphase allgemein wurde durch die bereits erfüllten Abgaben entsprechend entspannt. Verglichen mit Deutschland waren die Noten meiner Vorlesungen eher mit Fleiß anstatt mit Auswendiglernen und komplizierten Berechnungen verbunden. Ich denke diese Aussage unterschieden sich aber von Vorlesung zu Vorlesung und erst recht zu den anderen Studiengängen. Den Aufbau der Vorlesungen würde ich mit dehnen aus Deutschland vergleichen.

Im den Botanik Gardens versteckt liegt der Campus “Gardens Point“ der QUT. Für die 53.000 Studierende ist es der kleine Campus, neben dem Hauptcampus “Kelvin Grove“.
Im den Botanik Gardens versteckt liegt der Campus “Gardens Point“ der QUT. Für die 53.000 Studierende ist es der kleine Campus, neben dem Hauptcampus “Kelvin Grove“.

Leben in Brisbane

Meine Unterkunft liegt im Stadtteil “Kangaroo Point“, dort lebte ich mit einem Mitbewohner. Zur Universität hatte ich einen Fußweg von ca. 50 min. Später im Semester habe ich mir ein Rennrad gekauft, mit dem ich innerhalb von 10 min an der Universität war.

Die Region um Brisbane bildet mit ca. 2 Millionen Einwohner drittgrößte Stadt in Australien (Nach Sydney und Melbourne). Brisbane ist keine Stadt zum Feiern, in den Bars und Discos ist meist nur am Samstag richtig viel los. Hingegen gibt es über eine Hand voll verschiedene Laufclubs, die über die Woche verteilt eine Vielzahl von “Sozial-Run’s“ und anderen Aktivitäten anbieten. Am Samstagmorgen wird der ParkRun angeboten, ein 5km Jedermanns Lauf, bei dem je nach Stadtteil um die 50 – 300 Läufer am Start stehen. Anschließend geht es mit der Laufgruppe in ein Kaffee zum Frühstücken. So besitzt ganz Brisbane über zehn verschiedene ParkRun’s, die alle für sich eine eigene Strecke und Atmosphäre haben.

Das obere Bild zeigt ein Treffen von verschiedenen Laufgruppen um 21 Uhr. Zusammen sind wir den “Red Bull Wings of Life World Run“ gelaufen, bei dem für die Rückenmarksforschung gesammelt wird. Die Startzeit ist Global einheitlich, sodass es für mich dieses Jahr ein Nachtlauf wurde.
Das obere Bild zeigt ein Treffen von verschiedenen Laufgruppen um 21 Uhr. Zusammen sind wir den “Red Bull Wings of Life World Run“ gelaufen, bei dem für die Rückenmarksforschung gesammelt wird. Die Startzeit ist Global einheitlich, sodass es für mich dieses Jahr ein Nachtlauf wurde.

Brisbane ist aktuell die am schnellsten wachsende Stadt in Australien, da hier die Mietpreise nicht so extrem wie in Sydney, Melbourne oder Perth gestiegen sind. Viele Menschen aus diesen Städten ziehen aktuell nach Brisbane, um sich eine Wohnung oder Haus leisten zu können. Neben den vielen neuen Einwohnern merkt man bereits, dass im Jahr 2032 hier die Olympischen Spiele stattfinden werden. So wird aktuell im Zentrum und im Süden der Stadt an mehreren neuen großen Bahnhöfen und einem U- Bahnsystem gearbeitet. Außerdem findet ein Ausbau der Autobahnen in den Norden und Süden statt.

Ich habe das Leben in Brisbane lieben gelernt. Die Stadt ist sehr entspannt, bietet viele schöne Parks und Gärten, sowie eine Vielzahl an Kaffees und Bars. Durch die aktuell recht überschaubare Größe wird die Stadt nicht von Touristen überfluten. So erkannte selbst ich direkt neue Auslandssemester, die

bereits für das kommende Semester angereist sind. Die fehlende Nähe zum Ocean ist dabei nur kaum bemerkbar, dieser ist ich ca. 20-30 min mit dem Auto erreichbar.

Brisbane beim Sonnenuntergang, Bild vom Mount Coot-Tha Summit
Brisbane beim Sonnenuntergang, Bild vom Mount Coot-Tha Summit

Reisen und Freizeit

Zu Beginn meines Auslandssemesters habe ich viele kleine Touren mit meinem Mitbewohner unternommen. Oft sich wir an kleine Strände zum Schwimmen gefahren oder haben einige Wanderungen in den nahegelegenen Bergen gemacht. Gegen Mitte des Semesters habe ich mit dem “QUT Surf Club“ angeschlossen, welcher einen drei Tages Trip nach Noosa (ein kleiner Ort im Norden von Brisbane) angeboten hat. So bin ich immer wieder aus der Stadt Brisbane herausgekommen und konnte die Umgebung um Brisbane erkunden. Zwischen Mid-Semester-Break und Klausurenphase wurde dann Arbeit und Universität etwas mehr, sodass ich in diesem Zeitraum keine Zeit mehr für das Reisen gefunden habe. Umso schöner war ein Kurztrip nach Sydney, den ich nach der geschriebenen Klausur machte. Dort erkundige ich die Blue Mountains und wohnte für einige Tage am Bondi Beach. Nach der Abgabe meiner Master-Thesis bin ich nach Melbourne geflogen. Dort traf ich einen Freund, den ich während des Semesters kennen gelernt habe. Zusammen haben wir einen kleinen Roadtrip an der Great Ocean Road Richtung Adelaide gemacht und sind anschließend durchs Landesinnere zurück nach Brisbane gefahren. Unterwegs haben wir kleine Stopps in Canberra und Newcastle gemacht und die Stadt sowie die umliegende Gegend etwas erkundet.

Wie man schon aus dem Abschnitt zur Stadt Brisbane entnehmen kann, bin ich ein leidenschaftlicher Ausdauersportler. So habe ich mich entschieden den Brisbane Marathon mitzulaufen, den ich in einer neuen Bestzeit von knapp unter drei Stunden beenden konnte. Beim Training für den Marathon konnte ich viele neue Freunde finden, sodass ich oft mit einigen anderen Läufern unterwegs war. Ungefähr vier Wochen später bin ich an der Gold Coast einen Halbmarathon gelaufen. Da in diesem auch die Nationalen Meisterschaften der Langdistanz für alle Hochschulen integriert waren, bin ich für die QUT ins Rennen gegangen. Wir konnten mit insgesamt vier Läufern den Nationalen Titel für die QUT entscheiden.

Ich in der Pace-Maker Gruppe für 3 Stunden. Der Lauf startete um 6 Uhr, bei 18° und 95% Luftfeutigkeit, da es den Tag vorher geregnet hatte.
Ich in der Pace-Maker Gruppe für 3 Stunden. Der Lauf startete um 6 Uhr, bei 18° und 95% Luftfeutigkeit, da es den Tag vorher geregnet hatte.

Trotz der sehr arbeitsintensiven Zeit bin ich froh, die Möglichkeit der vielen Tagestrips gehabt zu haben. Es war eine schöne Zeit, an die ich mich immer gerne zurückerinnere und aus der ich viel für mein späteres Leben mitnehmen konnte.

North Standbroke Island; ideal zum Surfen und nur ca. 1 Stunde von Brisbane entfernt.
North Standbroke Island; ideal zum Surfen und nur ca. 1 Stunde von Brisbane entfernt.

Zusammenfassung

Abschließend kann ich ein Auslandssemester jedem empfehlen. Es wird dir gut tun mal aus dem Ritus rauszukommen, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen und viele neue Erfahrungen zusammen. Ich habe während meiner Zeit in Australien viel gelernt und konnte viele Erfahrungen für das Leben sammeln. Bei meiner Abreise werde ich mich einem lachenden und einem weinenden Auge Australien verlassen. Zum einem vermisse ich Familie und Freunde, zum anderen habe ich Land und Leute lieben gelernt. Ich bin auf jeden Fall nicht das letzte Mal in Australien gewesen und freue mich schon auf zukünftige Reisen und Abenteuer im Gastland.

Jannes